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03.07.2002 - General Anzeiger online
Individuelle Lösungen statt Ware von der Stange
Tops.Net - Beueler Firma versteht sich als virtueller Maßschneider für Produkte rund ums Internet
Bonn. Der Inhaber einer Firma für Karnevalsorden konnte sich drehen und wenden, wie er wollte: Mehr als 5 000 Euro brachte er für eine Homepage nicht zusammen - Online-Shopping inklusive. Doch jeder, der das Geschäft kennt, weiß: Der Preis ist mehr als knapp kalkuliert. Doch wo manche Firma abwinkt, sieht sich der Internetdienstleister tops.net gefordert. Vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen wollen die drei Geschäftsführer Lucie Prinz, Stefan Funk und Tamás Lànyi passgenaue Lösungen, sozusagen nach virtuellem Maß, anbieten.
Ohne Frage: Das vergangene Krisenjahr war auch für tops.net ein ganz schweres. "Praktisch über Nacht kam der Einbruch", erinnert sich Funk: "Noch im Juli haben wir fantastische Umsätze gemacht." Doch dann ging kaum mehr etwas, und die Firmen haben zum Teil bereits vergebene Aufträge storniert. Die Terroranschläge des 11. September taten ein Übriges.

Internetdienste nach Maß bieten Lucie Prinz, Stefan Funk und Tamás Lànyi insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen an. Foto: Vogel
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Dabei ist die Firmenhistorie von tops.net eine jener klassischen Erfolgsgeschichten in den IT-Boomjahren Mitte der 90er Jahre. 1996 vom Trio Prinz (Germanistin), Funk (Informatiker) und Làgnyi (EDV-Spezialist) gegründet, mauserte sich tops.net - auch dank günstiger Darlehen im Zuge des Bonn-Berlin-Vertrages- zum profitablen Unternehmen. Der Umsatz stieg im Jahr 2000 auf satte 1,3 Millionen Euro und die Zahl der Mitarbeiter kletterte auf 20. Dank der ersten sieben Boommonate 2001 legte der Umsatz nochmals um 100 000 Euro zu, zusätzlich wurden weitere zehn Mitarbeiter eingestellt.
Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei, zunächst. Zehn tops.net-Leute mussten gehen, und die Geschäftsführer sind ob vieler verunsicherter Kunden froh, wenn die Umsätze stabil bleiben. Lucie Prinz nennt die Phase daher schon ein wenig demütig die "zweite Unternehmensgründung: Während uns früher die Kunden das Büro einrannten, müssen wir jetzt Akquise machen."
Gleichwohl sehen sich die Drei und ihr Unternehmen gut gerüstet. Der Optimismus hat viel mit der breiten Produktpalette zu tun. So stehen neben Internetdiensten für kleine und mittelständische Unternehmen Serviceleistungen und Richtfunkverbindungen im Leistungskatalog der Firma. Vor allem breitbandige Netzanbindungen, Dokumentenmanagementsysteme und Webshops gehören die Zukunft, glaubt Vertriebsleiter Tamáas Lányi. Wichtig bleibt jedoch: "Alles muss passgenau auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten werden, und zwar Schritt für Schritt", bekräftigt Prinz. Anders formuliert: Es gibt an der Holtdorfer Straße nichts von der Stange.
Ein Beispiel: Nachdem das Unternehmen bislang 60 Internetauftritte von Firmen realisiert hat, ist die Softwarepalette inzwischen groß. Der Trick an der Sache: "Wir haben aus einzelnen Individualentwicklungen, die mehrfach nachgefragt wurden, ein eigenständiges Softwareprodukt entwickelt", erklärt Informatiker Funk: "So können wir unsere Software wie Schnittmuster verwenden und auf Kundenwünsche anpassen."
Was zudem viele Kunden noch immer sträflich vernachlässigen: Das Thema Netzwerksicherheit. "Der Hang zu Billiglösungen ist groß", weiß Funk. "Beliebt bei Unternehmen ist eine DSL-Standleitung ohne Firewall. Da sträuben sich mir die Haare", bekräftigt Kompagnon Lányi. Mehr auf "Sicherheit als Prozess" zu setzen, macht für ihn Sinn.
Denn Krise hin, Krise her: Das Internet bleibt weiterhin ein lukrativer Markt. "25 Prozent der Nutzer kaufen im Internet", so Lányi, der selbst dem Schreiner an der Ecke Perspektiven aufzeigt: "Der braucht zumindest einen Internetzugang, um zu sehen, wo er das Holz am billigsten bekommt." Außerdem: Die Zukunft liegt im "Business to Business"-Markt. Heißt für den Schreiner: "Der könnte sich in eine Einkaufsgemeinschaft einfinden", so Lányi, "die dann im Internet Holz zu günstigeren Preisen einkaufen kann."